Die Berechnung des gesetzlichen Pflichtteils

Die pflichtteilsberechtigten Personen

Pflichtteilsberechtigt sind die Kinder des Verstorbenen und dessen Ehegatte. Sie erhalten als Pflichtteil die Hälfte dessen, was sie als gesetzliche Erben bekommen hätten. War der Erblasse nicht verheiratet und hatte auch keine Kinder, sind seine Eltern pflichtteilsberechtigt. Diese erhalten allerdings nur ein Drittel des gesetzlichen Erbteiles. Geschwister sind niemals pflichtteilsberechtigt.

Die Grundlage für die Berechnung von Pflichtteilen ist zunächst einmal "der reine Nachlass", d.h. das Vermögen des Erblassers im Zeitpunkt seines Ablebens abzüglich der vorhandenen Schulden und Verfahrenskosten. Zum Nachlass zählt das gesamte Vermögen des Verstorbenen. Dies beinhaltet alle beweglichen und unbeweglichen Sachen, die im Eigentum des Verstorbenen standen, z.B. Immobilien, Barvermögen, Bankguthaben, Wertpapiere, Fondsanteile, Forderungen gegen Dritte.
Zur Bewertung ist der gesamte Nachlass über Antrag eines Pflichtteilsberechtigten zu schätzen. Der Pflichtteilsberechtigte kann auch verlangen, bei der Schätzung anwesend zu sein.

Im Einzelfall kann die Berechnung jedoch recht kompliziert sein, da unter Umständen auch Schenkungen, die der Verstorbene zu Lebzeiten gemacht hat, Beachtung finden können. Man spricht dann von einem so genannten Pflichtteilsergänzungsanspruch. Auch diese Bestimmung dient der Sicherung der Pflichtteilsansprüche. Sie soll verhindern, dass der Erblasser Pflichtteilsansprüche dadurch umgeht, dass er sein Vermögen verschenkt.

Über Verlangen des Noterben (=Pflichtteilsberechtigter) sind daher auch Schenkungen, welche der Erblasser zu Lebzeiten gemacht hat, zum Nachlass hinzuzurechnen, und zwar mit dem Wert im Zeitpunkt der Schenkung.

Das Recht, die Hinzurechnung von Schenkungen zu verlangen, steht einem Kind des Erblassers allerdings nur hinsichtlich solcher Schenkungen zu, die der Erblasser zu einer Zeit getätigt hat, in der er ein pflichtteilsberechtigtes Kind gehabt hat. Dem Ehegatten (der Ehegattin) steht dieses Recht nur über solche Schenkungen zu, die während der Ehe mit dem Erblasser erfolgt sind.
Nicht zu berücksichtigen sind Schenkungen, welche der Erblasser an nicht pflichtteilsberechtigte Personen länger als zwei Jahre vor seinem Tod gemacht hat. Eine nicht pflichtteilsberechtigte Person ist zum Beispiel auch eine Lebensgefährtin.